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WER IST DIE MUTTER?

Die Spende von Spermien ist bei der künstlichen Befruchtung seit längerer Zeit verwendete und eine ganz einfache Methode. Die Spende der weiblichen Eizellen ist eine neuere, weniger verwendete, komplexere – und umstrittenere Methode. In manchen Ländern ist die Spende der Eizellen nicht erlaubt, aber europäische Gesetze erlauben dies. Sie ermöglicht Frauen mit dysfunktionalen Eierstöcken ein Kind auszutragen. Wir unterhalten uns darüber mit Embryologin Mgr. Ingrid Zabloudilová, Klinik für Reproduktionsmedizin ReproMedica.

In welchen Fällen kann über die Eizellen-Spende nachgedacht werden?

Bei Frauen mit fehlenden Eierstöcken, oder Eierstöcken, die frühzeitig versagt haben, oder wenn die Eierstöcke auf eine hormonelle Stimulation nicht reagieren, bei Frauen nach einer onkologischen Behandlung, oder bei Fällen einer möglichen Vererbung von Erbkrankheiten. Nicht zuletzt auch bei einem höheren Fortpflanzungsalter. Bei diesen Frauen funktionieren die Eierstöcke nicht vollständig oder gar nicht, sind jedoch in der Lage in der Gebärmutter ein Kind auszutragen.

Frauen, die bereit sind, ihre Eizellen zu spenden gibt es nicht so viel, wie junge Männer, die einfach ihr Sperma spenden. Erhält jede Frau, bei der es möglich wäre, eine gespendete Eizelle?

Sie haben Recht, in den Kliniken für Reproduktionsmedizin ist dies in der Regel ein Problem. Es gibt Wartelisten und die Empfängerinnen waren oft über ein Jahr bis eine geeignete Spenderin gefunden wird. In unserer Klinik haben wir das Gegenteil gemacht. Wir haben zuerst eine Datenbank mit überprüften Spenderinnen angelegt. Bei Bedarf sind sie bereit, ihre Eizellen zu spenden, so dass die Empfängerin keine lange Wartezeit durchmachen muss und sofort einer Behandlung unterzogen werden kann.

War es ausreichend, um in die Datenbank aufgenommen zu werden, sich bloß anzumelden? Was musste die Spenderin auf sich nehmen?

Verschiedene Tests – angefangen bei der gynäkologischen Grunduntersuchung über die Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten (HIV, Cytomegalovirus, Hepatitis B und C, Syphilis, Chlamydien) bis hin zu Gentest, einschließlich Karyotyps und zystischer Fibrose.

Können Frauen, die noch nie ein Kind geboren haben, Spenderinnen sein? Jetzt fällt mir ein, dass sie in einem solchen Fall, ja schon die Untersuchung zu eigener Fruchtbarkeit bereits absolviert haben.

Es ist vom Vorteil, wenn die Spenderin bereits eine Geburt hinter sich hat, aber keine Bedingung. Die oberste Altersgrenze für die Spenderinnen liegt bei unserer Klinik bei 33 Jahren. D.h. eine Spenderin darf 18 bis 33 Jahre alt sein.

Wird bei der Eizellen-Spende berücksichtigt, dass die Spenderin mit der Empfängerin kompatibel ist? Damit das Kind, das aus einer gespendeten Eizelle erzeugt wird, der Frau die es aus trägt und seine Mutter wird, ähnelt?

Sowohl die Blutgruppe als auch der Rh-Faktor müssen übereinstimmen, zusätzlich erhalten sowohl die Spenderin als auch die Empfängerin Fragebögen zum Aussehen, Haut-, Haar- und Augenfarbe. Idealer Fall vorliegt, wenn die Spenderin möglichst viele Daten in den Fragebogen eingibt. Die Empfängerin kann auch Anforderungen äußern, zum Beispiel zu Hobbies, Natur, Bildung. In unserer Klinik benötigen wir mindestens einen Mittelschuleabschluss. Dank einer umfassenden Spenderdatenbank, die wir in unserer Klinik angelegt haben, können wir der Empfängerin eine fast hundertprozentige Übereinstimmung der gewünschten Merkmale und Eigenschaften oder Interessen mit der Spenderin bieten. Die meisten der Spenderinnen sind Studentinnen und Absolventinnen von Hochschulen oder Frauen im Mutterschaftsurlaub.

Es gibt offensichtlich Frauen, die auf das Geld angewiesen sind. Wird die Spende vergütet?

Nach dem Gesetz ist eine solche Spende freiwillig und kostenlos. Wir können jedoch die mit der Spende verbundenen Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 1000 Euro übernehmen.

Werden die potentiellen Spenderinnen auch über eventuelle Risiken aufgeklärt?

Natürlich. Beim Gespräch mit dem Arzt, werden sie über alle Risiken belehrt. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen sehr gering. Die häufigste Komplikation ist das Ovarial-Hyperstimulationssyndrom. Dies ist eine heftige Reaktion auf die vorherige hormonelle Stimulation der Eierstöcke, wenn eine große Anzahl von Follikeln reift und durch Symptome wie leichte Schmerzen im Unterleib und Blähungen begleitet ist.

Wie verläuft die Eizellen-Spende?

Vor der eigentlichen Eizellen-Spende wartet auf die Spenderin eine 10-tägige Stimulation der Eierstöcke, bei der mehrere Eizellen gebildet werden sollen. Die belehrte Spenderin injiziert die Präparate zur Stimulation zu Hause selbst, zu uns kommt sie drei – vier Mal zur Kontrolle, bei der der Wachstum der Eizellen überprüft wird. Am Tag der Entnahme besucht sie nüchtern unsere Klinik und nach einer Vollnarkose werden die Eizellen entnommen, wobei derer Anzahl und Qualität sofort im Labor überprüft werden. Nach zwei – drei Stunden kann sie die Klinik verlassen. Die entnommenen Eizellen werden anschließend mit den Spermien des Partners der Empfängerin in-vitro befruchtet. Am dritten oder fünften Tag nach der Befruchtung werden eins bis zwei Embryonen in die Gebärmutter der Empfängerin eingepflanzt. Die übrigen Embryonen werden eingefroren für eine spätere Verwendung, wenn die eingepflanzten Embryonen zu keiner Schwangerschaft führen. Diese können zwei bis drei Jahre aufbewahrt werden (gegen Gebühr) und verwendet werden, wenn sich die Eltern für ein weiteres Kind entscheiden.

Was motiviert Frauen zur Anmeldung und Spende der Eizellen, Ihrer Meinung nach, wenn sie sich dessen bewusst sind, dass es sich um keineswegs einfachen Eingriff handelt, der zudem mit Risiken, auch wenn minimalen, verbunden ist?

Sie sagen uns meistens, dass sie anderen helfen wollen. Die finanzielle Entschädigung der entstandenen Kosten ist nicht viel im Vergleich dazu, was sie sich über sich ergehen lassen müssen.

Das Motiv zu helfen wäre durchaus verständlich, wenn die Empfängerin ihre Schwester oder Freundin wäre. Ist dies vom Gesetz her erlaubt?

Die Spende ist anonym für beide Seiten und wir halten uns streng an die Gesetze. Obwohl Frauen an einer solchen Möglichkeit interessiert sind, können wir Ihnen diese Option nicht anbieten. Die Schwester oder Freundin können sich als Spenderinnen in die Datenbank eintragen lassen. Ihre Eizellen bekommt jedoch eine anonyme Empfängerin.

Autor: Ľudmila Grodovská (Magazin „Slovenka)“

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